Technikgestaltung für & mit ältere/n Menschen

Im April fand der Abschlussworkshop des ParTec-Projektes statt. An zwei halben Tagen bestand Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven auf das Thema der Technikgestaltung für und mit ältere/n Menschen und der partizipativen Technikgestaltung allgemein auszutauschen. Neben ParTec stellten sich auch vier andere Forschungsprojekte aus dem Themenfeld dar.

Helga Pelizäus-Hoffmeister präsentierte die Forschungsstrategie der kon­text­integrierten praxiszentrierten Bedarfsanalyse (KPB) im Projekt ATASen der Universität der Bundeswehr München. In diesem inter­disziplinären Projekt wurde in Kooperation mit erheblich körperlich einge­schränkten älteren Menschen geforscht, um geeignete Anwendungsfelder für Technik im Alltag der Senior_innen aus der Nutzerperspektive aufzuspüren.

Eva Lenz von der Folkwang Universität der Künste in Essen stellte das Projekt Nähe auf Distanz vor, in dem neue Wege erprobt wurden, um Mitglieder von verteilt lebenden Familien durch Technik zu verbinden. Dafür wurde unter Nutzung ethnografischer Methoden, u.a. Cultural Probes, mit mehreren Familien eng zusammengearbeitet und ermittelt, was ihnen Spaß macht und wie die Technik gestaltet sein muss.

Jennifer Müller von der Hochschule Furtwangen beschrieb das Projekt SONIA. Ziel war es, unter enger Einbeziehung der möglichen Nutzer_innen die Bedarfe von Senior_innen zu ermitteln und gemeinsam Möglichkeiten IT-gestützter Vernetzung zu erarbeiten und zu erproben. Individuelle Alltagspraxis und gesellschaftliche Rahmenbedingungen wurden sowohl für ländliche als auch städtische Sozialräume untersucht.

Marén Schorch von der Universität Siegen berichtete über den praxisorientierten Forschungs- und Entwicklungsansatz der Arbeitsgruppe „IT für die alternde Gesellschaft“. Ziel des vorgestellten EU-Projekts TOPIC ist die Entwicklung einer Online-Plattform für pflegende Angehörige. Im Unterschied zu den positiven Erfahrungen mit Cultural Probes im Projekt ParTec erwies sich die Selbstbeobachtung und Dokumentation mit Hilfe von Cultural Probes neben dem täglichen Pflegealltag für die Pflegenden als zu aufwendig, sie dienten allerdings als ein Gesprächsstimulus zwischen den Forscher_innen und den pflegenden Angehörigen.

Vorgehen und Erkenntnisse des einladenden ParTec-Projekts wurden in zwei Vorträgen über die Analyse- und die Gestaltungsphase präsentiert. Die verwendeten partizipativen Verfahren wurden vorgestellt und dahin­gehend diskutiert, wie sie einen „Third Space“ für eine gelingende Kommunikation und Kooperation aller Beteiligten schafften. Darunter ver­stehen Michael Muller und Allison Druin (2003) [PDF, 506KB] einen Raum zwischen den jeweiligen angestammten Welten der Nutzer_innen und der Ent­wick­ler_innen, der einen Spielraum für das Aushandeln von Gestal­tungs­optionen bietet und Diversität und Heterogenität von Menschen und Interessen sichtbar werden lässt.

Abschließend wurde mit vier eingeladenen Vertreter_innen zweier Bremer Softwareunternehmen diskutiert, wie sich partizipative Verfahren in kommerzielle Softwareentwicklungsprozesse integrieren lassen.

Insgesamt ergaben sich im Workshop intensive Diskussionen zu den folgenden Fragen:

  • Wie lassen sich Teilnehmer_innen für partizipatives Vorgehen gewinnen und über längere Zeit zur Beteiligung motivieren?
  • Welche Rolle spielt die teilweise unsichtbare Kontaktpflege, Kommunikations- und Vertrauensarbeit im Rahmen partizipativer Projekte?
  • Inwieweit eignen sich Cultural Probes und andere von uns gewählte Verfahren für die Kooperation mit Menschen, die nicht gerne lesen oder schreiben oder nicht gewohnt sind, sich selbst zu reflektieren?
  • Wie lassen sich Ergebnisse aus sozialwissenschaftlicher, qualitativ-ethnografischer Forschung über den Alltag, die Wünsche und Bedarfe von Nutzer_innen am besten für Technikentwickler_innen übersetzen und aufbereiten?
  • Wie lässt sich die mit einer partizipative Vorgehensweise verbundene Denk- und Arbeitskultur vermitteln, die nicht auf dem Sammeln objektiver Fakten für die Technikentwicklung beruht, sondern Raum für wechselseitiges Deuten, Aushandeln und Lernen schafft?