ParTec-Express als Pilotversuch

Im Rahmen des interdisziplinären Projektseminars NaWo mit Lehrenden und Studierenden aus Informatik, Gesundheitswissenschaften, Kulturwissenschaften und Gender Studies bot sich für die Projektmitglieder die Chance, eine ähnliche Fragestellung wie die von ParTec und einige Methoden in verkürzter Form zu erproben. Ziel des Projektseminars war es, in Zusammenarbeit mit älteren Menschen einen Prototyp für ein “Nachbarschaftsportal zum Austausch über Wohnumwelt und Wohlbefinden” (NaWo) im Quartier zu entwerfen und dabei auch Aspekte von Gender und Diversität zu reflektieren. Im Vorfeld wurden hierfür Kontakte zu Senioreneinrichtungen in Bremen Gröpelingen aufgebaut, um Zugang zu älteren Menschen zu bekommen.

Bei einem nachmittäglichen Treffen mit Seniorinnen in Bremen-Gröpelingen stellten wir das partizipative Erhebungsverfahren der “Cultural Probes” vor, das uns dazu dienen sollte, einen Einblick in den Alltag von älteren Menschen zu gewinnen. Sechs Personen, alle über 80 Jahre alt, waren bereit, das vorbereitete Material zur Erkundung ihres Alltags zu nutzen. Nach individueller Abholung und erster Vorauswertung wurden individuelle Gespräche mit allen Teilnehmerinnen geführt. Hierbei wurden die Alltagsnotizen gemeinsam angesehen und als Ausgangspunkt für weitere Fragen und Erzählungen genutzt.

Die so gewonnenen Erkenntnisse bildeten, verbunden mit einer umfassenden Recherche nach Konzepten bestehender Nachbarschaftsportale, die Grundlage für den Entwurf eines ersten Prototyps. Durch den sehr detaillierten Einblick in die verschiedenen Lebenslagen und (fehlenden) individuellen Zugänge zur Technik wurde uns deutlich, dass es nicht reichte, nur einen technischen Prototyp herzustellen. Ergänzend musste ein soziales Konzept entwickelt werden: Der Zugang zum Portal sollte auch durch eine Vermittlerperson möglich werden, an die sich die SeniorInnen wenden können und die an ihrer Stelle das Portal nutzt.

Zum Abschluss des Kurses stellten wir diesen „soziotechnischen Prototyp“ erneut bei einem Treffen mit InteressentInnen in Gröpelingen vor. Dazu wurde die Portalnutzung in zwei Szenarien eingebettet, die von studentischen TeilnehmerInnen vorgespielt wurden. Die Reaktion der SeniorInnen war gespalten: Einige lehnten den Gedanken eines solchen Portals als überflüssig ab; andere zeigten sich sehr offen und führten unseren Ansatz mit Bezug auf ihr aktuelles Wohnumfeld in der Diskussion weiter. Als zentraler Ort für die Nutzung wurde die Stadtteilbibliothek oder das Cafe des Stiftungsdorfes Gröpelingen vorgeschlagen.

Das Projektseminar NaWo bot unserem Team die perfekte Möglichkeit, erste Erfahrungen im Umgang mit der Erhebung und Interpretation des Alltags älterer Menschen zu sammeln. In diesem „Schnelldurchlauf“ haben sich Cultural Probes als Erhebungsmethode bewährt und uns im Entschluss bestärkt, diese zum Ausgangspunkt für ParTec zu machen. Das Projektseminar hat uns außerdem für die Lebenssituation einer besonderen Gruppe hochaltriger Seniorinnen sensibilisiert.